Arbeitsprozess

Die Untersuchung von Materialien (Minerale, Gesteine, Erze, Werkstoffe, Syntheseprodukte) mit dem Polarisationsmikroskop ist eine der klassischen und bis heute unverzichtbaren, genuin mineralogischen Untersuchungsmethoden.

Gegenüber den hochentwickelten modernen Analyseverfahren bietet sie den konkurrenzlosen Vorteil, leistungsstark, kostengünstig und zeitsparend zu sein.

Ihre Stärke ist die zerstörungsfreie und relativ hochauflösende Charakterisierung der Materialeigenschaften (Phasenbestand, Gefüge).

(Michael M. Raith, Peter Raase, and Jurgen Reinhardt: Leitfaden zur Dünnschliffmikroskopie)

Mit dem Durchlichtmikroskop werden Materialien untersucht, deren Bestandteile in ca. 0,03 mm dicken Dünnschliffpräparaten lichtdurchlässig sind. Dabei werden bei Betrachtung des Dünnschliffs im Hellfeld (plane-polarized light mode) feine Strukturen und Farberscheinungen sichtbar, die dem bloßen Auge verborgen sind (Bild 1). Bei Betrachtung des Dünnschliffs zwischen zwei senkrecht zueinander orientierten Polarisatoren (crossed polarizers mode) treten, infolge des häufig optisch anisotropen Verhaltens der kristallinen Bestandteile, vielfältigste Interferenzeffekte auf. Sie lassen das Korngefüge des Materials in unterschiedlichen Interferenzfarben erscheinen (Bild 2). Durch Einfügen von optischen Hilfsobjekten (z.B. Lambda-Platte, Lambda/4-Platte, Quarzkeil) in den Strahlengang des Mikroskops entstehen weitere mineralspezifische Interferenzfarbeffekte (Bild 3).

Mikrofotos eines Glaukophanschiefers (Paragenese: Glaukophan, Epidot, Phengit, Quarz), Kykladeninsel Syros.

Bild 1: Hellfeld; Bild 2: gekreuzte Polarisatoren; Bild 3: gekreuzte Polarisatoren und Lambda-Platte. Bildgröße: 1x1mm.

Dem Wissenschaftler vermittelt die mikroskopische Bearbeitung grundlegende Erkenntnisse zu Phasenbestand, Gefüge und Bildungsgeschichte des Materials. Dem künstlerischen Auge öffnet sich eine unbekannte faszinierende Bildwelt, deren Vielfalt an Farben und Strukturen der schöpferischen Fantasie eine unerschöpfliche Quelle bietet.

Dabei können zufällig gefundene Motive zur Gestaltung anregen. Vor allem aber sind es innere Stimmungen und Vorstellungen, die das Auge bei der Motivsuche leiten. Im Idealfall entsprechen die Bildmotive der künstlerischen Intention, nicht selten aber erhalten sie erst durch digitale Bearbeitung und Verfremdung die beabsichtigte Aussagekraft.

Ausgangsmaterial der Bildgestaltung bilden digitale Mikrofotos höchster Auflösung.

Im eigenen Fall werden sie mit der digitalen Spiegelreflexkamera Canon EOS 70D aufgenommen, die über einen hochwertigen Adapter (ASKANIA, Mikroskop Technik Rathenow) an den Phototubus des Polarisationsmikroskops LEICA DLMP angekoppelt ist. Die digitale Nachbearbeitung und künstlerische Verfremdung der Mikrofotos erfolgt mit dem Programm Adobe Photoshop Professional.

Objekte der Mikrofotografie sind ausschließlich Dünnschliffpräparate von Gesteinen (Magmatite, Metamorphite, Sedimente), seltener von technischen Materialien oder Syntheseprodukten. Sie stammen ganz überwiegend aus dem großen Dünnschliff-Fundus eigenen Forschungsmaterials sowie den umfangreichen Dünnschliff-Sammlungen des Steinmann Instituts der Bonner Universität.